Jahr für Jahr ist es ein spannendes Rätsel, welche Vereine in der kommenden Oberliga Nord und Süd antreten werden. Von einer stabilen Struktur, wie sie die DEL und DEL2 längst etabliert haben, ist der Eishockeybereich unterhalb des Profisektors jedoch entfernt. Es ist ein System mit vielen engagierten Akteuren, aber ohne die wirtschaftliche Verlässlichkeit, die dem Spielbetrieb langfristige Sicherheit geben könnte.
Der Hauptgrund für diese Unsicherheit liegt in der wachsenden finanziellen Schere zwischen den Clubs. Einige Vereine können nahezu unbegrenzt Gehälter zahlen, während andere ums Überleben kämpfen. Wer wirtschaftlich gesund bleiben möchte, muss zwangsläufig Verzicht üben – und das geht zulasten der sportlichen Qualität. Der Wettbewerb wird dadurch immer unausgeglichener, die Kluft zwischen reich und solide arbeitend immer größer.
Ein Aufstieg aus der Bayernliga in die Oberliga ist mittlerweile kaum mehr realistisch. Zuletzt wagte nur Erding diesen Schritt. Andere Vereine schrecken davor zurück, weil der Übergang kaum zu stemmen ist. Gleichzeitig geben etablierte Clubs wie Bayreuth auf, da die Kosten längst ein Ausmaß erreicht haben, das keine tragfähige Perspektive mehr bietet.
Hinzu kommen organisatorische Herausforderungen, die die Situation zusätzlich erschweren. Heimspiele an Dienstagen sind für Zuschauer und Vereine gleichermaßen ungünstig. Sie reduzieren die Einnahmen und erschweren die Planung. Auch die Play-offs bieten wirtschaftlich nur dann Vorteile, wenn man über das Viertelfinale hinauskommt. Ein Beispiel zeigt das deutlich: Passau erlebte die sportlich beste Saison der Vereinsgeschichte, zog verdient in die Play-offs ein – musste dort jedoch zweimal nach Tilburg reisen und hatte nur ein Heimspiel an einem Dienstag. Die Reise- und Übernachtungskosten überstiegen vermutlich die Einnahmen. Ein sportlicher Erfolg, der finanziell kaum zu tragen war.
Dieses Beispiel steht sinnbildlich für die strukturellen Probleme der Liga. Der Verband und die Vereine tragen gleichermaßen Verantwortung. Denn letztlich entscheidet jeder Verein selbst, ob er das Wettrüsten mitgeht oder bewusst den Weg nachhaltiger, bodenständiger Planung wählt.
Lösungsansätze wären denkbar, aber ihre Umsetzung ist schwierig. Eine Gehaltsobergrenze könnte helfen, wäre jedoch nur durch ein unverbindliches „Gentleman Agreement“ realistisch und kaum kontrollierbar. Eine spätere Verzahnung der Nord- und Südgruppen im Play-off-Modus oder die Vermeidung von Dienstagsspielen, soweit es die Rahmentermine erlauben, wären zumindest kleine Schritte.
Ob es die eine Lösung gibt, bleibt fraglich. Klar ist jedoch: Verband und Vereine müssen gemeinsam daran arbeiten, unterhalb der DEL2 solide Strukturen zu schaffen. Denn Eishockey ohne jährliche finanzielle Diskussionen würde dem schönsten Sport der Welt guttun – oder gehören diese Turbulenzen inzwischen einfach dazu?